Januar 2007: Schleswig-Holstein behindert freie Schulen
Schleswig-Holstein bildet im deutschen Ländervergleich das Schlusslicht
bei der Freiheit der Schulwahl. Der Grund: Schulen in freier
Trägerschaft werden durch das Schulgesetz systematisch benachteiligt.
Immer mehr Eltern möchten in Deutschland ihre Kinder an eine Schule in freier - also nichtstaatlicher - Trägerschaft schicken. Damit setzt sich auch hierzulande ein Trend durch, der in Skandinavien und den Niederlanden schon längst zum öffentlich zugänglichen Schulangebot gehört. Allerdings stehen ihre Chancen, auch tatsächlich eine Schule für ihre Kinder zu finden, in den verschiedenen Bundesländern durchaus nicht gleich gut. Die für die Schulpolitik Verantwortlichen klammern sich oftmals an das staatliche Schulmonopol, als gelte es, diese letzte Bastion der Planwirtschaft mit allen Mitteln zu verteidigen. Schleswig-Holstein bildet dabei leider keine Ausnahme - vielmehr hält es in der Statistik, wie die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes eindrücklich belegen, die rote Laterne:
Nirgendwo können weniger Schülerinnen und Schüler eine freie Schule besuchen. Der Grund ist eine Schulgesetzgebung, die die Gründung und den Betrieb einer Schule in freier Trägerschaft bewusst so erschwert, dass sie nur unter großen persönlichen Opfern realisiert werden können. Den Eltern bleibt bei der Suche nach der für ihre Kinder am besten geeigneten Schule keine wirkliche Wahl.
In Zahlen: Während in Deutschland von den 12,3 Millionen Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2005/06 rund jede/r 14. Schüler/in eine Schule in freier Trägerschaft besuchte (Tendenz steigend), lag der Anteil in Schleswig-Holstein gerade mal bei 1,5% (5.400 von 390.400 Schüler/innen an allgemeinbildenden Schulen). Addiert man die Schulen der Dänischen Minderheit hinzu, beläuft sich der Prozentsatz auf 3,3%, was am letzten Platz allerdings nichts ändert. Zum Vergleich: In Sachsen besuchten im Schuljahr 2005/2006 11,4% aller Schülerinnen und Schüler eine nichtstaatliche Schule.
Das derzeit als Regierungsentwurf vorliegende neue Schulgesetz verschlechtert die Arbeitsbedingungen der freien Schulen sogar noch weiter, indem es deren Zuschüsse zum wiederholten Mal drastisch kürzt. Zugleich brüstet sich die Regierung damit, mit dem Bekenntnis zur Gemeinschaftsschule und zur individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler einen neuen Wurf zu wagen. Das ist durchaus zu begrüßen, nur unterschlägt sie dabei, dass genau das seit Jahrzehnten von den freien Schulen erprobt, praktiziert und weiterentwickelt wurde. Am grundsätzlichen Problem ändert sich nichts: Ein paar Inhalte werden ausgewechselt, aber die pädagogische Initiative von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern wird weiterhin nicht nur nicht gefördert, sondern sogar behindert.
Ein weitaus effizienterer Weg wäre es, die Schulen in freier und öffentlicher Trägerschaft gleichberechtigt zu bezuschussen und damit einen fairen Wettbewerb der pädagogischen Initiative zu fördern. Mindestens könnte die Große Koalition dafür sorgen, dass die Waldorfschulen nach den gleichen Richtlinien wie die Dänischen Schulen bezuschusst werden. Beispiele für eine faire und entwicklungsfördernde Mittelzuweisung gibt es in unserer Nachbarschaft genug - man braucht nur auf die skandinavischen Nachbarländer oder auf die Niederlande zu schauen, bei denen die Gleichberechtigung der freien Schulen längst als pädagogischer Innovationsquell erkannt und umgesetzt worden ist.
So lange Schleswig-Holstein eine Schulpolitik betreibt, die den pädagogischen Wettbewerb unter Strafe stellt, wird das Land bezüglich der Wahlfreiheit seiner Eltern und der Vielfalt des schulischen Angebotes weiter die rote Laterne halten. Lehrer/innen und Eltern werden von der Landesregierung offenbar als zu unmündig eingeschätzt, um selbst Verantwortung übernehmen zu können. Das ist - insbesondere für ein Land, das mehr als andere auf "weiche" Standortfaktoren wie ein lebendiges Schulwesen angewiesen ist, um den Menschen eine Perspektive zu geben - ein politisches Armutszeugnis.


Wenn wir unsere Kinder zu Freiheit und Verantwortung in einer mündigen Demokratie erziehen wollen, brauchen wir auch mündige Schulen, in denen der Geist der Freiheit und Verantwortung weht!